Naturräume
Naturräume
Mit Naturräumen beschreiben wir ökologisch funktionale Raumeinheiten, in denen Naturleistungen entstehen. Ein Naturraum fasst typische Standortbedingungen, Lebensgemeinschaften und ökologische Prozesse zusammen. Nur, indem wir den Naturraum eines Projektes kennen, können wir die Naturleistungen speziell definieren.
Die Naturräume dienen also als Strukturebene zwischen Projektfläche und Naturleistung: Sie machen nachvollziehbar, wo eine Maßnahme wirkt und welche Leistungen dort realistisch gefördert werden können. Gleichzeitig sind sie die Grundlage für Vergleichbarkeit, Monitoring und spätere Zertifizierung.
Wald
Der Naturraum Wald ist geprägt durch mehrschichtige Vegetation, langfristige Biomassebildung und hohe Strukturvielfalt. Er ist besonders relevant für Klimaregulation, Biodiversität, Bodenstabilität und Wasserhaushalt. Biodiversität wird hier vor allem über Baumartenvielfalt, Totholz, Altersstrukturen und störungsarme Entwicklung gefördert. Überprüft wird dies über Strukturparameter, Vegetationsaufnahmen und waldökologische Indikatoren.
Offenland (Wiesen, Weiden, Heiden)
Offenland ist ein stark nutzungsabhängiger Naturraum mit hoher Bedeutung für Pflanzenvielfalt und Bestäuber. Biodiversität entsteht hier nicht durch Nichtstun, sondern durch angepasste Bewirtschaftung. Die zentralen Naturleistungen liegen in Bestäubung, Habitatfunktion und Landschaftsvielfalt. Die Wirkung wird über Artenzusammensetzung, Nutzungsregime und Strukturvielfalt erfasst.
Sonderform: Streuobstwiesen
Streuobstwiesen sind traditionelle Landschaftsformen, die am grenzbereich von Offenland, Agrarland und Wald liegen. Unter Streuobstwiesen verstehen wir Wiesen/Offenfläche mit in der Regal mehr als 10 Obstbäumen. Typisches Kennzeichen von Streuobstwiesen sind die zum Teil alten bis sehr alten Hoch- und Mittelstämme. Streuobstwiesen gibt es in ganz Deutschland, deren Pflege und auch Neuanlage ist ein wertvolles Ziel.
Agrarlandschaft
Die Agrarlandschaft ist ein intensiv genutzter Naturraum mit hoher Relevanz für funktionale Ökosystemleistungen. Biodiversität wird dort gefördert, wo Strukturen wie Randstreifen, Brachen, Hecken oder extensiv genutzte Flächen integriert werden. Die Naturleistungen liegen u. a. in Bestäubung, Bodenfunktion und natürlicher Schädlingskontrolle. Überprüft wird dies über Flächenanteile, Habitatqualität und ausgewählte biologische Indikatoren.
Sonderform: Agroforst
Gewässer & Auen
Dieser Naturraum umfasst Fließ- und Stillgewässer sowie deren Überschwemmungsbereiche. Er ist zentral für Wasserregulation, Wasserqualität und aquatische Biodiversität. Biodiversität wird gefördert durch naturnahe Gewässerstrukturen, Durchgängigkeit und Auenentwicklung. Die Überprüfung erfolgt über Strukturkartierungen, hydrologische Kenngrößen und biologische Qualitätsindikatoren.
Moore & Feuchtgebiete
Moore sind hochspezialisierte Naturräume mit großer Bedeutung für Klimaregulation und Wasserhaushalt. Biodiversität wird hier vor allem durch Wiedervernässung und den Erhalt typischer Moorvegetation gefördert. Die zentrale Naturleistung ist die langfristige Kohlenstoffspeicherung. Überprüft wird dies über Wasserstände, Vegetationsentwicklung und anerkannte Klimamethodiken.
Siedlungsnahe Naturräume
Dieser Naturraum umfasst Grünflächen, Brachen und naturnahe Elemente im Siedlungsbereich. Biodiversität wird gefördert durch Strukturvielfalt, Vernetzung und geringe Störintensität. Die Naturleistungen liegen vor allem in Erholung, Mikroklima und lokaler Biodiversität. Die Wirkung wird über Flächenparameter, Strukturmerkmale und einfache biologische Indikatoren erfasst.
Küsten & Meeresnahe Räume
Dieser Naturraum ist geprägt durch dynamische Prozesse und hohe Sensitivität gegenüber Nutzung und Klimawandel. Biodiversität und Naturleistungen entstehen hier vor allem durch intakte Übergangszonen. Relevant sind Küstenschutz, Biodiversität und Wasserqualität. Überprüft wird dies über Struktur- und Zustandsindikatoren.